Offenbach-Post - Ausgabe vom Montag, 14. Oktober 2002, 12:39 Uhr
Viertes 'vermisstes' Kind dann doch noch gerettet
Nach längerem Suchen konnten die Götzenhainer Feuerwehrleute
schließlich auch das vierte in der brennenden Scheune vermisste
Kind mit Rauchvergiftung vom Heuboden bergen und in Sicherheit bringen.
Einsatzleiter und Wehrführer Klaus Klepper zeigte sich nach der Übung,
an der - trotz Ferien - knapp zwei Dutzend Feuerwehrleute aus der 45 Mann
starken Einsatzabteilung teilnahmen, doch recht zufrieden.
Foto: Gersin
Götzenhain (lu) Samstag, 16.10 Uhr: Die Sirenen heulen in
Götzenhain. Feueralarm: Bei Landwirt Walter Frank brennt die
Scheune. Vier Kinder, die darin gespielt haben, werden vermisst,
außerdem sind noch Schweine, Kühe und Bullen in dem Gebäude.
"Alarm pünktlich ausgelöst", schaut Hartmut Jung von der Freiwilligen
Feuerwehr Götzenhain zufrieden auf die Uhr. Er hat das Szenario für
die Abschlussübung der Götzenhainer Wehr im Einvernehmen mit dem
Landwirt vorbereitet.
Sechs Minuten später kommen drei Einsatzwagen mit Blaulicht und
gellenden Martinshörnern zum Anwesen in der Dietzenbacher Straße
8 angerast. Passanten bleiben neugierig, einige auch leicht irritiert,
stehen, schauen zu, wie ein Wagen bremst, die Besatzung heraus
springt, Schläuche ausrollt und die Wasserversorgung aufbaut. Ein
anderer Trupp dringt unter Atemschutzgeräten in die Scheune vor.
Die zwei anderen Löschfahrzeuge fahren durch, biegen in die
Frühlingsstraße ein, nähern sich - in Höhe des Kerbplatzes - von der
Rückseite dem Scheunenkomplex. Die Schläuche zur
Wasserversorgung sind ausgerollt - doch der Bodenhydrant ein paar
Meter weiter am Kerbplatz ist "tot": "Da kommt kein Tropfen
Wasser", flucht der Feuerwehrmann, der vergeblich den
Wasserspender aufdreht. "Der wird wohl nur zur Kerb unter Wasser
gesetzt."
Wertvolle Sekunden verstreichen, bis 50 Meter weiter mitten auf der
Kreuzung mit der Feldstraße der nächste Hydrant angezapft ist.
Doch einen weiteren Anschluss verkraftet er nicht - zu wenig
Wasser. Ein Ausweichhydrant in entgegengesetzter Richtung auf der
Frühlingsstraße ist schnell gefunden - doch von einem parkenden
Auto blockiert. So muss Wasser von der Ecke gegenüber dem alten
Rathaus durch den Hof der Sportgemeinschaft herangeführt werden.
"Weil wir wegen der Tiere im Stall keinen Raucherzeuger benutzen
können, haben sich die Kinder sehr gut versteckt", so Hartmut Jung.
Doch die Atemschutztrupps haben die Kinder, die die Opfer mimen,
schnell gefunden - nur das vierte fehlt. Die Alu-Leiter an der
Scheunenaußenwand zum Heuboden hoch blieb noch einige Minuten
unbeachtet - bis dann auch Kind vier sicher aus der verqualmten
Scheune geborgen ist. "Das wäre aber dann ein Fall für den
Notarzt", unkt ein Zuschauer. "Ich bin dennoch ganz zufrieden mit
dem Verlauf", kommentiert Wehrführer Klaus Klepper nach der Übung
das Geschehen, das auch Vize-Stadtbrandinspektor Manfred Locher
und Bürgermeister Berthold Olschewky beobachtet haben.